
Die Kanalverbindung zwischen der Elbe und der Trave
Die Kanalverbindung zwischen der Elbe und der Trave - eine bedeutende Wasserstraße für Lübeck
Der Wasserstraßenanschluss Lübecks und die damit verbundene Bedeutung als Hafenstadt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser Kanalverbindung. Eine gut funktionierende Wasserstraße bedeutete und bedeutet noch heute die Entscheidung über Aufstieg oder Niedergang der Wirtschaftskraft und damit die Entscheidung über Reichtum und Armut. Lübeck erhielt im Jahre 1900 den Anschluss an das große bedeutungsvolle Elbstromgebiet. Die großen, tragfähigen Elbkräne fanden ihren Weg ohne umzuladen bis nach Lübeck. Ähnliche handelspolitische Gesichtspunkte führten im 14. Jahrhundert zur Erstellung einer Kanalverbindung - auf - abgesehen von kleinen Abweichungen - genau derselben Trasse. Diese erste künstliche Wasserstraße in Nordeuropa begründete den eigentlichen Aufstieg Lübecks zu einem mächtigen und bedeutungsvollen Handelsplatz. Die alten Salzspeicher an der Trave zeugen noch heute von der einstiegen wirtschaftlichen Blüte.
Lübeck gebührt der Ruhm, mit Hilfe der seinerzeitigen Mittel die erst brauchbare Überwindung einer Wasserscheide nicht nur zu gewagt, sondern auch erfolgreich durchgeführt zu haben!
Der technisch nicht mehr zeitgemäße Zustand des alten Kanals, die Konkurrenz zur neuen Eisenbahnlinie Lübeck-Büchen und der damit verbundene Rückgang des Frachtaufkommens ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ließen schon sehr frühzeitig Pläne zur Verbesserung des Kanalzustandes aufkommen. Diese Forderung erhielten Ende des Jahrhunderts erheblichen Auftrieb, nachdem das Reichsgesetz vom 16.03.1886 den Bau des Nord-Ostsee-Kanals manifestierte. Lübecks Stellung im Ostseehandel drohte hierdurch ins Abseits zu geraten.

In Erkenntnis dieser großen Gefahr aktivierte der Senat von Lübeck energisch alte, bereits früher unternommene Projekte zur Verbesserung der Kanalverbindung zur Elbe. Der Lübecker Oberbaudirektor Rehder wurde mit dem Entwurf zum Elbe-Trave-Kanal beauftragt. Nach mühsamer Abklärung der Kostensituation und der regionalen wie auch baulichen Gesichtspunkte, kam man im Juni 1893 zum Anschluss eines Staatsvertrages zwischen Preußen und Lübeck zum Bau einer neuen Kanalverbindung - dem Elbe-Trave-Kanal. Das preußische Abgeordnetenhaus sah hier eine neue "notwendige Konsequenz" und eine "Ehrenpflicht gegenüber Lübeck". Lübeck setzte für den Kanalbau eine besondere Behörde unter Leitung des Wasserbaudirektors Rehder ein.
Die Inbetriebnahme des neuen Kanals erfolgte am 16. Juni 1900 unter feierlichen Beteiligung des Deutschen Kaisers Wilhelm II. Die Verkehrsentwicklung der ersten Jahre ist durchaus positiv und stetig steigend von 25.000 t (1901) bis 1.377.362 t (1912) zu bewerten. Die in den Kanalbau gesetzten Erwartungen haben sich bestätigt; der Anschluss Lübecks an das Elbstromgebiet schien gesichert. Die Verkehrsverbindungen reichten sowohl nach Hamburg als auch zur oberen Elbe wie Magdeburg und Dresden und zur Saale sowie über die märkischen Wasserstraßen und Berlin bis ins Oderbebiet.
Ein Blick auf die Karte des heutigen Wasserstraßennetzes im Europa zeigt einerseits die magistrale Lage der seit 1936 Elbe-Lübeck-Kanal genannten Wasserstraße und macht andererseits deutlich: Der Kanal macht den Weg aus der EW offen in den gesamten Ostseeraum - stärkt die Position Lübecks. Der 1978 voll in Betrieb genommene Elbe-Seitenkanal gibt dafür die wesentlichste Voraussetzung

Wenn auch der heutige Zustand des Kanals nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Wasserstraße nach europäischen Richtlinien entspricht, so sind doch energische Bestrebungen unverkennbar, den Kanal auszubauen bzw. zu modernisieren. Dieses ist die Basis für die Ausnutzung der günstigen Tarife des Wasserstraßentransports, sowohl für die in Lübeck ansässige Industrie als auch für den Handel mit den skandinavischen Ländern.
Schon heute findet man modernere Binnenschiffe und Schubeinheiten mit speziellen Abmessungen auf dem Kanal. Die Verkehrsentwicklung nach 1945 ist aufgrund der politischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich. In nachfolgendem Schaubild ist die Entwicklung von 1965 bis 1995 dargestellt. Die großen Ladungsmengen bis 1972 sind mit der Abfuhr großer Mengen von Kies aus den Fundgruben am Kanal zu erklären. nach Erschöpfung der Kiesgruben ist diese Güterart enorm zurückgegangen. Neue Güterarten und Verkehrsbeziehungen stagnierten zunächst, bis ab 1990 eine wiederbeginnende Aufwärtsentwicklung zu erkennen ist. Mit der Zunahme der Gesamtladungsmenge seit 1990 auf ca. 15,5 Mio. Tonnen ist klar erkennbar, dass der Elbe-Lübeck-Kanal gerade in heutiger Zeit eine große Bedeutung nicht nur für den regionalen Raum hat.
Auch wenn der Bundesminister für Verkehr, wie am Elbschifffahrtstag 1992 in Lauenburg vorgetragen, zur Zeit noch keine Basis für eine generellen Ausbau des Kanals sieht, so ist die nunmehr eingetretene Entwicklung ein erster Meilenstein zum Umsenken. Reparaturmaßnahmen an den Böschungen des Kanals haben bereits begonnen und müssen kontinuierlich fortgesetzt werden.
Werner Hinsch